Assistenztechnologien für die Arbeitsmigration in der EU
DINTA, der Integrationsassistent


Projektpartner: minor Projektkontor für Bildung und Forschung e.V., SIBIS Institut (Unterauftrag); gefördert vom BMBF


Der gesellschaftliche Wandel führt in Deutschland – nicht zuletzt in Folge des demographischen Wandels – zu einem schnell wachsenden Bedarf nach Fachkräften aus dem europäischen Ausland. Die Folgen der Schuldenkrise auf die regionalen Arbeitsmärkte führen zu einer neuen Einwanderungswelle junger Südeuropäer, die vor allem von Branchen mit bestehendem Fachkräftemangel systematisch gefördert wird. Gleichzeitig ist die stärkere Gewinnung ausländischer Fachkräfte auch eines der wichtigsten Ziele der Demografiestrategie der Bundesregierung. Die berufliche und soziale Integration dieser neu zuwandernden Fachkräfte bedeutet für die deutschen Unternehmen und Verbände große Herausforderungen. Werden diese Herausforderungen nicht gelöst, ist mit weiterhin hohen Abbruchquoten zu rechnen.


Ziel des Projekts ist ein Modell der Unterstützung der Arbeitsmigration in Form eines digitalen Integrationsassistenten, der individualisierte Information, Beratung, Lernangebote, Mentoring u. a. enthält, auf mehreren technischen Plattformen nutzbar ist und den gesamten Prozess der Integration von Arbeitsmigrant/-innen begleitet. Die wissenschaftliche Herausforderung dabei ist die Entwicklung einer interkulturell funktionierenden Usability, die systematisch die Kriterien des design for all für alle Interfaces und die einzelnen Interaktionsangebote umsetzt.


Der digitale Integrationsassistent wird als hybrides System aus technischer Assistenz, aufgebaut auf offenen Standards, und modular anpassbaren Inhalten in Kombination mit einem individuellen Mentoringsystem und sozialer Vernetzung konzipiert. Es zielt auf die Modellierung eines interkulturell einsetzbaren, modularen Baukastens, aus dem Unternehmen und andere an Arbeitsmigrant/-innen interessierte Institutionen maßgeschneiderte Unterstützungsangebote zusammenstellen können. Die Entwicklung und Erprobung des Integrationsassistenten wird am Beispiel von Arbeitskräften für die Pflegebranche erarbeitet. Die Übertragbarkeit auf andere Branchen und Arbeitsbereiche ist ebenfalls Gegenstand des Projekts.


Inhalte des Systems:

  • interaktive, mehrsprachige Informations-, Beratungsangebote: Kombination von spezifischen, arbeitsplatzbezogenen Informationen mit der Nutzung vorhandener Informationsangebote und Informations-quellen für die lokale Einbindung im Lebens- und Arbeitsumfeld.
  • modulare Lernangebote: Kombination von allgemein vorhandenen Angeboten für Migrant/-innen, z. B. zum Sprachenlernen, mit spezifischen fachlichen und interkulturellen Angeboten. Die Inhalte der Wissens-und Kompetenzvermittlung werden dabei vor allem aus den bestehenden, nicht-digitalen Angeboten für Arbeitsmigrant/-innen generiert (Sprach-, Integrationskurse, Informationsmaterialien, Begleitung durch sozialpäd. und psychologischen Fachkräfte) und bauen auf Fachdidaktiken, interkulturellen und psychologischen Ansätzen auf.
  • differenziertes Mentoringangebot: Ein Kernstück des Integrationsassistenten ist ein Mentoringsystem, das individuelles Mentoring einzelner Arbeitsmigrant/-innen durch die Nutzung mobiler Geräte und Kommunikationsoberflächen flexibilisiert. So wird das Mentoring in Lern-, Arbeits- und Alltagshandeln integriert. Für das Mentoring werden Mitarbeiter/-innen der Unternehmen und ältere Migrant/-innen mit längerer Integrationserfahrung eingesetzt, um sowohl arbeitsplatzspezifische als auch (inter-)kulturelle Kompetenzen weitergeben zu können. Neben dem kulturellen Lernen stehen im Mentoring auch ethische Aspekte der Pflege im Sinne einer wertorientierten Persönlichkeitsbildung der Pflegenden im Mittelpunkt.
  • Tools zur sozialen Vernetzung: Entscheidend für gelingende Integration ist die soziale Einbindung der Arbeitsmigrant/-innen am Arbeitsplatz und der Freizeit. Dabei geht es um kulturspezifische und - übergreifende, lokale und virtuelle Netzwerke. Der Integrationsassistent unterstützt durch organisatorische Vernetzung, durch Nutzung von social media und durch AV-Kommunikation diese soziale Einbindung.
  • arbeitsplatzrelevante Interfaces und Content: Der Integrationsassistent soll zudem, wo möglich, digitale Anwendungen der konkreten Arbeitsplätze einbinden, um als zentrales Begleitsystem zu funktionieren.
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